Praktikum im Rathaus Wiesbaden

08.03.2018 09:29:34 | Barrierefrei starten e.V.
„Es braucht diese unkomplizierten Strukturen“
Max Schönfeld absolviert ein Praktikum im Rathaus Wiesbaden
 
Mathematik ist so wunderbar verlässlich  – es existiert nur eine richtige Lösung. Auf die Frage nach dem richtigen Beruf gibt es indes so viele mögliche Antworten, dass es für viele Jugendliche eine Herausforderung darstellt, den individuell Richtigen herauszufiltern. Praktika sind hier eine sinnvolle Entscheidungshilfe, doch für lernschwache oder gehandicapte Jugendliche kann es ein mühevolles Unterfangen bedeuten, geeignete Stellen zu finden. Erhard Stahl, zweiter Vorsitzender des Vereins Barrierefrei Starten, verhehlt nicht, dass Hemmungen bestehen,sich als Firma auf diese Thematik einzulassen. „Die meisten Firmen haben keine Erfahrung und wissen nicht, was man zur guten Betreuung dieser jungen Menschen braucht. Dabei ist es gar nicht so schwierig. Man muss Geduld haben und sich auf diese Menschen einlassen können.“ 

Aktuell sind 20 junge Menschen in der Betreuung des Vereins, der betroffene Jugendliche beim Übergang ins Berufsleben durch vier Coaches begleitet. Einer davon ist Max Schönfeld. Er ist 20 Jahre alt, lebt in Naurod und besucht die Hochheimer Edith-Stein-Schule mit dem Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung.  Max sitzt im Rollstuhl und ist in Motorik und Sprache verzögert. Dies bremst ihn jedoch ihn keiner Weise: Gecoacht wird er von Gunn-Eva Uhl, die beim Bewerbungsgespräch zum Praktikum in der Geschäftsstelle der CDU-Fraktion im Rathaus Wiesbaden ebenso wie Erhard Stahl anwesend war. Viel Unterstützung hat es nicht gebraucht, denn Max überzeugte mit Eloquenz, Zuverlässigkeit und Zielstrebigkeit.  Seit Februar reist er nun täglich eigenständig mit dem Bus an, recherchiert im Büro online zu aktuellen Themen, die er im Anschluss in schriftlicher Form aufbereitet, und nimmt an Sitzungen teil. Er macht keinerlei Aufhebens um seine Behinderung und wird von den Kollegen auf Augenhöhe behandelt. Ob die Politik sein zukünftiges Arbeitsfeld ist, weiß er noch nicht – in der Wirtschaft oder Verwaltung könnte er sich ebenso wiederfinden. Max  ist bewusst, welche Unterstützung Barrierefrei Starten bedeutet: „Wenn ich zur Bundesagentur für Arbeit gehe, weiß ich, dass diese die Mittel nicht hat, um mir solch eine individuelle Begleitung geben zu können. Es braucht diese unkomplizierten Strukturen. Das Unbürokratische und Menschliche ist wichtig. So bringt man die Inklusion in die Arbeitswelt.“ 

Es sei enorm wichtig für die jungen Menschen, in der Praxis zu erfahren, „wie das geht“ in diesem oder jenen Beruf, sagt Erhard Stahl. „So können sie auch für sich selbst feststellen, ob der gewählte Beruf der Richtige ist. Für die Firmen ist es ebenso eine gute Möglichkeit zu erfahren, dass ‚es geht‘. Wenn man sich auf die jungen Leute einlässt und deren Stärken und Talente fördert, ist das ein Gewinn der anderen Art.“ Ebenso lehrreich sei auch die Erfahrung, wie man Konflikte mit Kollegen löst. Falls es mal klemmt, helfen die Coaches weiter. „Den jungen Menschen hier Halt zu geben und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ist eine wertvolle Erfahrung für sie.“ Erhard Stahl hofft, dass viele Menschen aufmerksam auf das Engagement von Barrierfrei Starten werden und sich noch mehr Unterstützer finden. „Wir haben schon einige Jugendlich durch die Ausbildung begleitet bis hin zum Abschluss und letztlich sogar in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Das ist Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Manchmal habe er das Gefühl, Inklusion sei nur eine Wortmarke. „Es ist noch viel zu tun, bis Inklusion gelebt wird, ja zur Selbstverständlichkeit wird. Vielfach fehlt das Verständnis, dass es eben nicht nur um Schnelligkeit und Funktionieren und Gewinn geht, sondern auch um den Menschen! Jedoch haben wir auch genug Beispiele erlebt, wo das gut funktioniert.“
 
 

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